Das Geheimnis der Erlösung
heißt Erinnerung.
(Baal Schem Tov)

Konzeption

Städtebaulich stand der Park in Zusammenhang mit dem Senioren- und Pflegezentrum um das Karl-Ehmer-Stift sowie dem Kinderspielplatz und der Wohnbebauung im Bereich Schöllbach und Raiffeisenstraße (im Plan oben links- nicht sichtbar).

Wie ein Gürtel hätte sich der Park von der Hauptverkehrsachse, der Bietigheimer Straße abgewandt von Osten (im Plan rechts) unterhalb der Stützmauern der Martinskirche nach Westen (im Plan links) bis zur Begrenzung der alten Aussegnungshalle gezogen. Der Park schafft eine attraktive Verbindung zum Ortszentrum.

Plan zum Park der Erinnerung. Entwickelt von Andreas Mallin, Bietigheim-Bissingen
Plan zum Park der Erinnerung. Entwickelt von Andreas Mallin, Bietigheim-Bissingen

Schöne Ausblicke in das Neckartal und auf Pleidelsheim und auf den Teilort Kleiningersheim bietet die Handlage des ehemaligen Friedhofs. An besonders schönen Stellen, z.B. im Schatten alter Bäumen oder mitten auf einer blühenden Sommerwiese, sowie am kommunikativen Brunnenplatz hätte man die verschiedenen athmosphärischen Qualitäten des Platzes spüren können.

 

Barrierefreie Wege ohne Stufen und große Steigungen sollten das gesamte Gelände erschließen. Dadruch wäre vor allem den älteren Bewohnerinnen und Bewohnern des nahe gelegenen Karl-Ehmer-Stifts ein naher Erholungs- und Spazierweg geboten. 

Im Bild links ist noch der alte, inzwischen beseitigten Treppenaufgang vom Schöllbach zum Rathaus zu sehen.

Alte Treppen, 2014 abgeräumt
Alte Treppen, 2014 abgeräumt
Blick auf den Friedhof vom Wiesental
Blick auf den Friedhof vom Wiesental

Es gibt drei Zugänge zum ehemaligen Friedhof:

Der Haupteingangsbereich liegt zwischen den beiden Rathäusern und der ehemaligen Aussegnunghalle.

Zwischen der Martinskirche und der Kelter gelangt man in den ältesten Teil unterhalb der hohen Kirchhofstützmauern.

Neu angelegt wurde im Jahr 2014 ein rampenförmiger Eingang vom Schöllbach. Die Aufnahme links zeigt die Situation vor Anlegung der Rampe.

Zeitzonen und Plätze

Der Park gliedert sich konzeptionell in drei Abschnitte bzw. in drei Zeitzonen. Im Osten, unterhalb der Stützmauern befindet sich die "Vergangenheit", im Süden die "Gegenwart" und im Westen die "Zukunft". Diese Zeitzonen unterscheiden sich nicht nur atmosphärisch, von ruhig-besinnlich in der "Vergangenheit" zu sonnig-heiter in der "Gegenwart" und der "Zukunft". Die Zeitzonen korrespondieren mit den historischen Erweiterungsphasen.

Zeitzone Vergangenheit
Zeitzone Vergangenheit
Zeitzone Gegenwart
Zeitzone Gegenwart
Zeitzone Zukunft
Zeitzone Zukunft

In der Vergangenheit wird der zentrale "Platz der Erinnerung", der für den ganzen Park namensgebend ist, gestaltet. Dieser Bereich ist ruhig und dunkel, von hohen Bäumen umschattet. Die Grabsteine werden in einem 40 Grad Winkel aufgestellt. Inmitten der Grabsteine befindet sich eine Sitzgelegenheit, die erlaubt sich in die Erinnerung zu vertiefen.


In der Vergangenheit wird es einen " Platz der Stille" geben, der zu Ruhe und Kontemplation einlädt..... Die heutige Situation des Platzes sehen Sie auf dem Foto.

Blick ins Wiesental
Blick ins Wiesental

Die "Gegenwart"  wird mit einer duftenden Blumen- und Kräuterwiese eingesät und mittendrin, mit Blick nach Süden auf Bäume, Neckar und die Nachbargemeinde Freiberg, entsteht der "Platz an der Sonne". Die Aussicht vom "Platz an der Sonne" können Sie schon heute genießen.

In der "Zukunft" befindet sich das Zentrum des ganzen Parks. Dort wo sich zwei wichtige Verbindungswege treffen, wird der "Platz der Begegnung" gestaltet. Auschnitt aus dem Plan hier...
Die Sitzgelegenheiten stehen sich kommunikakiv gegenüber und laden die Besucher zu Gesprächen ein.

Das Zentrum des Parkes markierte sich mit zwei Elementen: dem Kugelbrunnen auf der einen Seite und den drei Mammuntbäumen auf der anderen Seite. Dort sollten Bänke Aufstellung finden, von wo aus der Glockenschlag der nahen Kirchturmuhr doppelt zu hören und das Verrinnen der Zeit, die Vergängenlichkeit intensiv präsent wird.

Ein virtueller Wasserlauf aus blauen Glassteinen hätte aus der Mitte des "Platzes der Erinnerung" die drei Zeitzonen bis zum Kugelbrunnen am "Platz der Begegnung" verbunden: über den Bereich "Gegenwart" vorbei an den drei Wächtern bis zum Zentrum des Parkes im Bereich "Zukunft".

Grab- und Gedenksteine

Grabsteine der "Drei Wächter"
Grabsteine der "Drei Wächter"

Inschriften auf Grabsteinen sind Träger der Erinnerung an die Menschen, die an einem Ort gelebt haben. Man erfährt die Namen der ortsansässigen Familien. Die Geburts-und Sterbedaten geben Auskunft über die Lebenserwartung, geben Zeugnis von Kriegen und Katastrophen. Deshalb war die Verwendung der alten Grabsteinen das zentrale Gestaltungselement im neuen "Park der Erinnerung". Die abgetragenen und teilweise aus Privatbesitz gesammelten Grabsteine hätten in einem 40 Grad Winkel zu dem Platz der Erinnerung arrangiert werden sollen. Der Besucher hätte zwischen den Steinen umhergehen und sich dort auch niederlassen können.

Die Gräber in den Nischen der Stützmauern bleiben erhalten, in eine leere Nische sind inzwischen die beiden Grabsteine des whemaligen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Karl Braun und seiner Gattin verlegt. Damit ging ein Wunsch von Braun in Erfüllung.

Drei weitere Gräber hätten an Ort und Stelle erhalten bleiben sollen: Es sind die Gräber der "Drei Wächter" (Bild).

Bei den "Drei Wächtern" handelt es sich um drei im Oktober und November 1988 verstorbene Männer. Es sind die letzten, die auf dem alten Friedhof bestattet wurden. Ihnen war es besonders wichtig, noch auf dem alten Friedhof bestattet zu werden. Einer soll sich sogar im Krankenhaus die lebenserhaltenden Kanülen entfernt haben, um noch vor Jahresablauf 1988 zu sterben. Die drei grabsteine wurden im Sommer 2014 abgeräumt und entsorgt.


Die Gedenktafeln für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges hätten aus der Aussegnungshalle an die Südmauer des alten Rathauses einen neuen Platz gefunden und damit mehr in die Präsenz des dörflichen Lebens eingebunden gewesen sein.

Bepflanzung

Ein Großteil des Geländes sollte mit Rasen eingesät sein.

 

Nur im Bereich "Gegenwart" sollte eine Wildblumen- und Kräuterwiese blühen.

 

Im Bereich "Vergangenheit" hätten einzelne Beete mit Blumen oder Kräutern beplanzt gewesen sein. In den Maßen der ehemaligen Gräber stünden sie als Zitate der ursprüglichen Nutzung als Friedhof. Ebenfalls zitathaft würden Bänder von Lavendelbüschen blühent, die die ehemalige streng parzellierte und gegliederte Struktur des Friedhofes aufnehmen sollten.

 

In der "Zukunft " sollte eine bestehende Hecke zu einem Irrgarten ergänzt werden. Auch diese Hecke ist inzwischen abgeräumt. Einen Teil des geplanten Irrgartens sehen Sie im Bild.

 

Außerhalb des Friedhofs, im Süden, dort, wo auch eine Rampe den Zugang über den Schöllbach ermöglicht, wäre auf dem ehemaligen Grüngutsammelplatz einen Bowlbahn entstanden.

Bowlbahn?
Bowlbahn?

Symbolik

Bei der Gestaltung des Friedhofs wird ganz bewusst auf christliche Symbolik zurückgegriffen.

Die Drei (drei Zeitzonen, drei Mammutbäume, drei Wächter, drei Zugänge) steht für Einheit und Trinität. Die Auferstehung Christi erfolgte am 3. Tag.

Die Grabsteine sollten in einem Neigungswinkel von 40 Grad aufgestellt sein. Vierzig ist die Zahl der Vergänglichkeit und der Vollendung. Die Fastenzeit dauert 40 Tage, Jesus ruhte 40 Stunden im Grab, 40 Tage dauerte die Sintflut, 40 Tage verbrachte Jesus in der Wüste.

Das Labyrinth ist ein christliches Symbol für die Schicksalswege des Menschen.

 

Im Bereich "Zukunft" führt ein Weg sperpentinenförmig vom Schöllbach bis zum Hindenburgplatz mit den beiden Rathäusern. In den Wendungen des Weges sollten Sinnsprüche zentrale Fragen über Leben und Tod reflektieren.

 

Wasser (Kugelbrunnen und virtueller Wasserlauf) ist das Symbol des Lebens, des Lebensstroms und des Stroms der Zeit.

Und nicht zuletzt nimmt die violette Farbgestaltung dieser Internetpräsentation Bezug auf die christliche Symbolik. Violett ist die Farbe der Magie und des Geheimnisvollen. Zauberer und Magier trugen früher violette Mäntel. Für Schamanen bildet Violett die Brücke vom Diesseits zum Jenseits, vom Normalzustand zur Trance. Priester als Mittler zwischen Himmel und Erde tragen noch heute in der katholischen Kirche Violett. Auch Christus wird auf Bildern oft mit einem violetten Mantel abgebildet als Zeichen seiner Menschwerdung, die zur Erlösung der Menschheit führte.