Es gibt nichts Neues unter der Sonne
(Prediger Kap 1)

Geschichte

Der älteste Teil des Alten Friedhofs von Großingersheim befand sich an der mittelalterlichen Martinskirche. Im Herbst 2007 fanden Arbeiter bei Bauarbeiten an der Sakristei Gräber aus dem 8. Jahrhundert.

 

15. Jahrhundert

Um die Martinskirche und den Friedhof lagen einige Pfründhäuser, die nur über den Friedhof zu erreichen waren. Nach einem Streit im Jahre 1463 zwischen der Gemeinde und zwei Kaplänen um das Überfahrtsrecht über den Friedhof einigt man sich darauf, dass die Gemeinde einen gepflasterten Weg darüber und ein Einfahrtstor unterhält.

 

17. Jahrhundert

Bis zum Bau einer eigenen Kirche, der Georgskirche, im Jahre 1601 diente der Friedhof von Großingersheim auch den Kleiningersheimern als Grablege.

 

18. Jahrhundert

Spätestens im 18. Jahrhundert wurden an der Südwand der Martinskirche keine Toten mehr bestattet. Der Schullehrer hatte dort inzwischen seinen Krautgarten angelegt.

Ansichten von Großingersheim, um 1927. Unterhalb der Martinskirche ist der Friedhof erkennbar.

1803

Es häuften sich die Klagen über die Enge auf dem Friedhof. Da die Sterblichkeit in diesem Jahr hoch gewesen war - bis Juni waren bereits 50 Tote zu beklagen gewesen - mussten die Leichen vor der Zeit abgeräumt werden. Die Gemeinde kaufte daraufhin ein Stück Weinberg unterhalb der Kirche dazu und vergrößtert den Friedhof nach Osten hin.


 

1827

Auf dem alten Begräbnisplatz um die Kirche wird nur noch höchst selten beerdigt. Dort bewirtschaftet der Schullehrer einen Krautgarten. Auch der Ertrag der neu gepflanzten Zwetschgenbäume auf dem neuen Teil des Friedhofs stehen ihm als Teil seiner Naturalbesoldung zu. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts bleibt diese Nutzung erhalten.

 

1840/ 1841 Aufruhr in Großingersheim

Bei Baumaßnahmen wurde die alte Friedhofsmauer abgetragen und ein Teil des Friedhofs zur Verbreiterung der Kirchstraße überbaut. Dabei kamen Gebeine von Verstorbenen zutage, die - wie später einige Bürger zur Protokoll gaben -  teilweise auf die Felder hinausgetragen worden seien, teilweise von Kindern zum Spielen genommen hätten. Dieser pietätlose Umgang mit den Gebeinen ihrer Vorfahren führte zu heftigen Protesten. Sie sind unter der Überschrift "Aufruhr in Großingersheim" in die Geschichte eingegangen.

 

Fünf Gemeinderäte versuchten die Baumaßnahmen zu stoppen, sprachen bei Pfarrer und Bürgermeister vor - ohne Erfolg. Als weitere Grabungsarbeiten vergeben werden sollten, versammelten sich mehr als 100 (männliche) Bürger vor dem Rathaus, um gegen die Störung der Totenruhe zu protestieren. Es kam zu Beschimpfungen und Drohungen, sodass sich Bürgermeister und Pfarrer genötigt sahen, im Rathaus Sicherheit zu suchen. Der Landjäger wurde gerufen und schritt disziplinarisch ein. Die fünf Gemeinderäte wurden später als Rädelsführer für diesen Aufruhr zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt.

Dieser Vorfall ist belegt im Staatsarchiv Ludwigsburg, Aktensignatur: StAL F 254I, Str. 6

 

1913

Zur Besorgung der Grabpflege ist der Friedhof im Sommer nur Dienstag, Donnerstag und Samstag von 6 bis 8 Uhr geöffnet.

Der westliche Teil des Friedhofs. Links noch Weinberge, nach der Bombardierung 1944. Rechts nach der letzten Erweiterung 1961.

1944

Bei der Bombardierung von Großingersheim gingen auch einige Sprengsätze auf dem Friedhof nieder. Die entstandenen Löcher wurden mit neuer Erde verfüllt und das insgesamt sehr steile Gelände großflächig mit Erde eingeebnet. 

 

1961

Der Friedhof wurde  nach Westen erweitert. Dazu waren Weinberge gekauft worden. Mit der Einweihung der Aussegnungs- und Leichenhalle war die letzte bedeutende Erweiterung des Friedhofs abgeschlossen. Dort befinden sich seither die Gedenktafeln mit den Namen der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

 

1988

Im November wurde der letzte Tote auf dem Friedhof beerdigt. Seit Januar 1989 dient der neu angelegte Holderfriedhof zwischen Groß- und Kleiningersheim als Grablege für beide Ortsteile, wobei die Kleiningersheimer nach wie vor ihre Toten lieber auf ihrem Friedhof im Dorf bestatten.

Der Friedhof nach 1961

Neubau der Aussegnungshalle mit den Gedenktafeln für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges, um 1961