Zeitzeugen

16. Dezember 1944 - Bombenangriff auf Großingersheim

Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen vor 65 Jahren. 21 Menschen im Alter zwischen fünf und 91 Jahren starben. Sie sind in einem Gemeinschaftsgrab auf dem alten Friedhof beigesetzt.

Dauer: 12 Minuten

Als am 16. Dezember 1944 alliierte Flieger einen Bombenteppich über Großingersheim legten, traf es die Bevölkerung wie aus heiterem Himmel. Den Fliegeralarm hatte man wohl gehört, doch glaubte man sich sicher im Dorf ohne strategische Bedeutung und ohne kriegsrelevante Produktion. Die Bomben trafen die Menschen mitten in ihren alltäglichen Beschäftigungen: auf dem Feld, beim Einkaufen, Kuchenbacken und Essenkochen.  

 

Wie spätere Forschungen in englischen und amerikanischen Archiven ergaben, waren die strategisch wichtigen Bahnhöfe in Bietigheim, Kornwestheim und Ulm Ziel des Angriffs. Damit sollte der Nachschub zur Westfront abgeschnitten werden. Ausgefallene Radargeräte in den Flugzeugen, schlechte Sicht und ein leichter Westwind, der die Markierungszeichen in Richtung von Großingersheim trieben, führten zu dieser unbeabsichtigten Zerstörung des Ortes.  

 

Die Erinnerung an die zehn Minuten des Angriffs ist lebendig geblieben. Regelmäßig gedenkt ein offizieller Trauergottesdienst mit Kranzniederlegung am Gemeinschaftsgrab der Opfer, und die Erlebnisse des Tages sind immer wieder Gesprächsthema bei Familien- oder Jahrgangstreffen.

Die Wiederkehr dieses denkwürdigen Tages waren für Brigitte Popper und Christine Pastow der Anlass, mit Zeitzeugen zu sprechen und deren Erlebnisse und Erinnerungen auf Band aufzunehmen. Aus der Vielzahl der Gespräche und meterlangen Bandmaterials ist eine knapp 12 Minuten dauernde Audio-CD geworden, die vor fünf Jahren, am 16. Dezember 2004 im Martinskeller unter dem neuen Rathaus uraufgeführt wurde.  

bripop 14.12.2009